Heute ist Tag der Pflege!

In Zeiten von Corona ist dies ein heikles aber vor allem sehr wichtiges Thema. Wir wollen jedoch heute nicht auf die Missstände und schon lange vorliegenden Probleme in dem Berufsfeld eingehen, denn dies wäre ein Thema, welches wahrscheinlich zunächst eher negative Bilder auf den Beruf der Pflege werfen würde. Wir wollen die positiven Dinge des Berufsfeldes der Pflege beleuchten. Daher haben wir am heutigen Tag Pfleger*innen die Möglichkeit gegeben, mal die schönsten und prägendsten Momente ihres Berufslebens und ihre Erfahrungen mit uns zu teilen.

„Ich würd jetzt einfach mal so ganz stumpf sagen, dass mein ganzer Beruf aus schönen Erlebnissen besteht. Ich hab bisher […] eigentlich kaum negative Erlebnisse gehabt. […] Ich kann wirklich sagen, die schönsten Erlebnisse in meinem Beruf sind quasi die, wenn ich von den Patienten Dankbarkeit bekomme bzw. wenn ich denen das anmerke oder wenn ich auch sehe, dass unsere Pflege bzw. die Therapie einfach auch Heilung ermöglicht und Krankheiten geheilt werden. Ich arbeite ja zum Beispiel auf der Alkoholentzug-Station. Wenn wir durch unsere Arbeit und unsere Gespräche ermöglichen können, dass Patienten motiviert sind, aufzuhören zu trinken. Das sind so für mich die schönsten Erlebnisse, wenn ich einfach sehe, dass mein Beruf und das was ich gelernt habe auch wirklich Sinn macht und Wirkung erzielt. Ich würde bis jetzt nichts anderes machen. Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit. Es macht einfach Spaß, Menschen zu helfen und daher kann ich auch jetzt nicht so von einem Erlebnis sprechen. Also natürlich gibt es mit Sicherheit Erlebnisse , wo ich sage „oh, das war schön“. Aber ich würde einfach sagen, dass dieser Beruf Krankenpflege für mich einfach generell ein schönes Erlebnis ist, und dass ich es jedem empfehlen kann, der etwas bezwecken will heutzutage und auch Menschen helfen möchte. […] Von daher würde ich sagen, mein ganzer Beruf ist für mich einfach ein tolles Erlebnis, die Ausbildung war ein tolles Erlebnis.“ – Luca Rammroth

„Generell gibt es viele Faktoren, die den Job spannend machen, da er sehr facettenreich ist. Du hast das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun, arbeitest mit Menschen und unweigerlich damit verbunden mit Emotionen – Glück, Trauer, Schmerz, Sorgen, Hoffnungen und Ängsten. Du erlebst all das, aber egal, wie eine Situation um einen Patienten ausgehen mag, es ist oft mit Dankbarkeit verbunden und du kannst meist mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. […] Schöne Erlebnisse sind immer, wenn man jemand über längere Zeit behandelt wird. Gewisse Patienten werde ich mit Sicherheit auch nie vergessen. Unter anderem war jemand bestimmt 5 bis 6 Wochen bei uns. Der Herr war in seiner Wohnung aufgrund eines Schlaganfalls gestürzt, ist dabei in die Badewanne gefallen und hat das heiße Wasser aufgedreht. Der war total verbrüht, am gesamten Oberkörper, über den das Wasser gelaufen war. Er hat eine Hauttransplantation bekommen. Haut von den Oberschenkeln wurde auf den Oberkörper gesetzt. Jeder Wundverband, ich musste diese alle zwei Tage wechseln, hat vollständig ungefähr 90 Minuten gedauert. Dabei baust du schon eine gewisse Beziehung zu den Menschen auf, die von Vertrauen gekennzeichnet ist. Ein sehr gutes Gefühl. […] Ein anderer war an den Wirbeln knapp oberhalb des Steißes operiert worden. Die Wirbel wurden mit einer Art Spezialbeton ausgegossen und versteift. Wir haben ihn langsam mobilisiert, sah alles gut aus. Dann bekam er einen Schlaganfall, konnte seine eine Körperhälfte nicht mehr spüren. Der Zustand hatte sich verschlechtert. Als irgendwann die Vitalzeichen absackten, hat er sich die Sauerstoffbrille gezogen, sich bedankt und hat gesagt, er wollte nun gehen. Eine Stunde später war er tot. Das sind aber nur Geschichten um Patienten. Ich könnte stundenlang darüber schreiben. Etwas anderes ist, dass man im Team arbeitet. Man hat immer das ein oder andere schwarze Schaf oder faulen Kollegen dazwischen, aber ich habe die Erfahrung gemacht, mit vielen guten und motivierten Menschen zu arbeiten. Wir haben uns gegenseitig zugearbeitet, getauscht, damit das Privatleben im drei-Schicht-System noch funktionierte und alle voneinander gelernt. Die gute Stimmung im Team macht eine ganze Menge aus. Ich möchte die Zeit nicht missen.“ – Christopher Strake

„Besonders prägend ist meine Arbeit seitdem ich im Behindertenbereich arbeite, weil das ein ganz anderes Arbeiten ist, als im Krankenhaus. Im Krankenhaus hat man wechselnden Patientenkontakt und im Wohnhaus für Menschen mit Behinderung hat man halt eben immer die gleichen Bewohner und  man kann sich ganz anders darauf einstellen. Das ist einfach wie eine große Familie. Die Arbeit macht wirklich totalen Spaß, aber das prägendste Ereignis was ich damals hatte, war, wie ich einem Bewohner helfen konnte, der einen Herzinfarkt hatte. Das hat mich eine Woche beschäftigt. Ich hab zwar in dem Sinne nur eine stabile Seitenlage gemacht und den Rettungswagen gerufen, aber das ging wirklich um Sekunden und dem Bewohner geht es auch wieder gut. Das prägendste an sich ist einfach damals der Wechsel gewesen vom Krankenhaus, oder vom normalen Krankenpfleger, sag ich jetzt mal, in den geistig-behinderten Bereich. Dort bekommt soviel von den behinderten Menschen zurück und die Arbeit macht einfach Spaß.“ – Michael Rammroth

„Als Krankenpfleger im Bereich der Intensivmedizin erlebt man viel Schlimmes, aber natürlich auch positives. So ist mir eine Situation stets in Erinnerung geblieben: Ein blinder Patient musste infolge eines kardialen Notfalls mittels Herzdruckmassage reanimiert werden. Die Reanimation war erfolgreich, jedoch gingen 2 Rippen dabei zu Bruch (was leider häufig gerade bei älteren Patienten passiert) und nach einigen Tagen konnte der Patient von der Intensiv zurück auf die Normalstation. Als ich ihn abholte erkannte er meine Stimme und fragte, ob ich nicht der Pfleger sei der ihn reanimiert hätte. Ich sagte, das sei richtig. Er bedankte sich und sagte mit einem Grinsen im Gesicht, er habe seiner Frau vor Jahren das Herz gebrochen, aber er hätte ihre Rippen ganz gelassen. Wir mussten beide lachen (was bei ihm wegen der Rippenbrüche leider auch Schmerzen zur Folge hatte). Der Rippenbruch verheilte wieder und nach 2 Wochen konnte er wieder nach Hause zu seiner Frau entlassen werden. Solche Lichtblicke sind es: das lächeln eines Patienten. Der Erfolg einer medizinischen Therapie, die uns für unseren täglichen Einsatz belohnen.“ – Stefan Erber

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